Modul 5

Religiöse und Interreligiöse Fragen in der Arbeit mit Flüchtlingen

Historische Grundlagen, zeitgenössische Problematiken und praktische Lösungsansätze

Die Mehrheit der nach Deutschland kommenden Flüchtlinge stammt aus Ländern des islamischen Kulturkreises. Der Islam wird daher mit dem Thema Flüchtling in Zusammenhang gebracht. Gleichzeitig finden sich unter den Flüchtlingen auch religiöse Minderheiten, die vor der zunehmenden Konfessionalisierung der Konflikte in ihren Heimatländern geflohen sind. Tatsächlich stellt die Religion für viele Flüchtlinge ein Element - wenn auch nicht zwingendermaßen das wichtigste - ihrer Identität dar, dass in der Flüchtlingsarbeit beachtet werden muss. Die Erfahrungen der Flüchtlinge mit der religiösen Pluralität und dem Säkularismus sind teilweise sehr unterschiedlich. Religiöse und interreligiöse Fragen stellen daher für die Flüchtlingsarbeit eine wichtige Herausforderung dar, die nur mit einem fundierten Grundwissen über die Geschichte und die gegenwärtige Situation des Islams und des orientalischen Christentums, sowie über die Bedeutung und das Gefüge von Religion in Deutschland bewältigt werden kann.

Durch die Aneignung entsprechender Grundkenntnisse sowie von Analyse- und Anwendungskompetenzen werden Sie dazu befähigt, konstruktiv mit dem Thema Religion in der Flüchtlingsarbeit umzugehen. Dies ist zum einen für das Zusammenleben der Flüchtlinge untereinander von elementarer Bedeutung, als auch für Ihre Kommunikation mit den Flüchtlingen und Ihren Kolleginnen und Kollegen, sowie für die Integration der Flüchtlinge in die deutsche Gesellschaft. Das Modul wird von muslimische, katholische und evangelische Theologen durchgeführt, die auf einen konkreten Erfahrungsschatz in der Gemeindearbeit zurückgreifen können.

Das Modul ist in drei thematisch-methodische Einheiten gegliedert. Nach einem ersten Erfahrungsaustausch, dem Sammeln von Fragen und das Analysieren von Situationen gilt es, sich gezielt mit der Frage „Wo kommen Religion und interreligiöses Verhältnis in der Flüchtlingsarbeit vor?“ zu beschäftigen. Das nötige Grundwissen zum Islam wird in religionsvergleichender (muslimisch-christlicher) Perspektive erarbeitet, wobei Ihnen insbesondere ein fundierter Überblick über die religiösen Grundlagen und die verschiedenen Richtungen des Islams vermittelt werden soll. Zudem sollen Sie in die Lage versetzt werden, sich in der muslimischen Gemeinde- und Verbandslandschaft in Deutschland zu Recht zu finden. Das interreligiöse Verhältnis zwischen Muslimen und Nichtmuslimen und schließlich die Vielfalt der religiösen und nichtreligiösen Lebensentwürfe in Deutschland bilden die nächste thematische Einheit, in welcher gezielt auf die Vielfalt im Christentum, die christlichen Minderheiten im Mittleren Osten sowie weitere religiöse Minderheiten eingegangen wird. Die Anwendung auf konkrete Arbeitsfelder der Flüchtlingshilfe und zu thematischen Konkretionen (z.B. Religion und Gewalt; Leben mit Fremden; religiöse Vorurteile etc.) vollendet das Modul.

Sie werden in die Lage versetzt, Lebensweise und Religion in Deutschland mit den Augen muslimischer Flüchtlinge zu sehen, Sie setzen sich mit Vorurteilen auf beiden Seiten auseinander und verstehen das Verhältnis der religiösen Richtungen innerhalb des Islams. Aufgrund der erworbenen Sensibilität für religiöse Sichtweisen und Gefühle werden Sie handlungssicher und reflektieren Problemlösungsstrategien für konkrete Situationen. Sie werden religiös gefärbte Konflikte vorbeugen oder entschärfen können und die religiöse Identität von geflüchteten Menschen positiv als Ressource für Kommunikation und Integration nutzen.

Dieses Modul ist Teil des Certificate of Advanced Studies (CAS) Migration und Integration und ist nicht einzeln buchbar.

Das Modul wird verantwortet von der Universität Tübingen, Evangelisch-Theologische Fakultät, Praktische Theologie III, Katholisch-Theologische Fakultät, Religionspädagogik und dem Zentrum für Islamische Theologie (ZITH).



 
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